Island of the Dead

25. April – 15. Juni 2019
Eröffnungsempfang: Donnerstag, 25. April 2019 von 17-19 Uhr.
Adam Gunn: Island of the Dead

Text von Adam Gunn
Übersetzt von Julia Theobalt

Der Naturforscher Tim Flannery beschreibt in seinem Buch Now or Never die Vision einer Welt bestehend aus lila-totem Meer und giftig-grünem Himmel. Eine Welt, in der die Erderwärmung Eiskappen geschmolzen und die Zirkulation der Ozeane so verlangsamt hat, dass aus ihr ein gigantischer Stausee geworden ist. Das sauerstoffarme, stillstehende Wasser ermöglicht die Vermehrung von anoxygenischen Bakterien, die die Chemie des Ozeans verändern und ein Leben fortan unmöglich machen. Es sind auch diese Bakterien, die Schwefelwasserstoff in die Atmosphäre freisetzen, was wiederum zu einem Massensterben von Tieren und Pflanzen an Land führt. Eine schlichte und doch farbenfrohe Welt, die zwar wunderschön, jedoch ungesehen bleibt.

Die Gemäldeserie der Ausstellung stellt eine Welt nach einer genau solchen katastrophalen Folge des Klima-wandels dar, indem sie altbekannte Werke der Kunstgeschichte neuinterpretiert und mit romantischen Naturbewusstsein versieht. Die Romantik, die vor allem eine Reaktion auf die industrielle Revolution war, ist geprägt von einer Sehnsucht nach unberührter Natur und der Ehrfurcht ihrer überwältigenden Kraft. Ironischerweise wird der andauernde und ständig wach-sende Industrialismus voraussichtlich jedoch eine komplett neue Version der Natur schaffen, die die menschliche Welt, wie wir sie kennen, in Zukunft vollständig auslöschen wird. Inspiriert durch dieses Konzept, habe ich Gemälde ausfindig gemacht, die mit der romantischen Bewegung in Verbindung stehen und alle Figuren aus ihnen entfernt – einziger Beweis für eine einst vergangene Existenz sind nur noch die verbliebenen unheimlich grün-violetten Landschaften und die verfallenen Ruinen in ihr. So verweise ich auch auf Fotos von den Apollo-Mond-Missionen, die für den Beginn des modernen Umweltbewusstseins stehen sollen.

Ausgangspunkt dieser Werkserie ist Arnold Böcklins Die Toteninsel. Das befremdliche Gemälde eines im weiten, stillen Wasser isolierten und finsteren Inselfriedhofs ist bis heute sehr bedeutungsträchtig. Arnold Böcklin produzierte zwischen 1880 und 1901 fünf Versionen dieses Werkes. Die dritte Version, die sich nun in der Alten Nationalgalerie in Berlin befindet, war zuvor im Besitz von Adolf Hitler und in der Reichskanzlei ausgestellt. Die problematische Assoziation mit diesem Gemälde rief mir die erste Begegnung mit einer Deutschen Austauschschülerin am Gymnasium in Nova Scotia in den Sinn, wo wir gemeinsam an einer Philosophieklasse teilnahmen. Eine Diskussion ist mir dabei in besonderer Erinnerung geblieben, in der Sie von einer Konfrontation mit Ihren Großeltern berichtete und hinterfragte: “Warum habt Ihr nichts getan?” Werden die zukünftigen und möglicherweise letzten Generationen der Menscheit genauso über uns denken?

Der Künstler dankt der Joseph Plaskett Stiftung für die Unterstützung durch den Nancy Petry Kunstpreis.