Mutation/Transformation/Metamorphosis

16. November 2017 bis 13. Januar 2018
Vernissage und Galerie Eröffnung: 16. November von 17:00 bis 20:00 Uhr.
In Anwesenheit des Generaldelegierten von Québec, Herrn Claude Trudelle.
Mutation/Transformation/Metamorphosis : Patrick Bérubé, Famed, Laurent Lamarche, Marie-Eve Levasseur, Cal Lane, Karine Payette.

Text von Anaïs Castro. Übersetzt von Julia Theobalt.

Der Internationale Geologenkongress hat am 29. August 2016 dafür gestimmt, unsere aktuelle geologische Epoche formell als Anthropozän zu bezeichnen. Diese Entscheidung beruht auf der wichtigen Erkenntnis, daß der enorme Einfluss der Menschheit auf die Umwelt, wie unter anderem: Plastikverschmutzung, Atomtests, Mineral- und Gasgewinnung eine damit verbundene und dauerhafte Konsequenz mit sich zieht.

Der Grund für diese Revision ist die Anerkennung des Anthropozentrismus, mit seinen Anfängen zur Zeit der Aufklärung und der industriellen Revolution. Eine Entwicklung, die sich bis zum 20. Jahrhundert verschlimmert hat und bis in unsere heutige neoliberale Gesellschaft reicht.

Die jüngste Geschichte zeigt jedoch, dass auch diese neue Erkenntnis in Gefahr ist, wiederum von einem menschlichem Einfluss bedroht zu werden: Der Technologie. Unsere Generation steht nun vor dem komplexen Konflikt innerhalb der heutigen Dreifaltigkeit: Menschheit – Natur – Technologie.

Die beteiligten Künstler der Ausstellung thematisieren die bedeutenden Veränderungen in den Paradigmen der Existenz, die durch das Zusammenstoßen von Kultur, Natur und Technologie ausgelöst werden. Die Ausstellung konzentriert sich dabei auf drei Modi der Veränderung: Mutation, Transformation und Metamorphose. Dabei wird untersucht, wie mögliche Hybridisierungsmodelle uns von den Konsequenzen der Anthropozentrik befreien können und dabei helfen, Projekte für eine bessere Zukunft zu entwickeln.

Mit dem Aufschwung von Automatisierung und digitalen Netzwerken wird die Konjunktur zunehmend belastet. Neue aufstrebende digitale Volkswirtschaften haben Einfluss auf die traditionelle Verteilung von Reichtum und fordern das Eigentumsrecht heraus. Das deutsche Duo Famed setzt auf Wissensgegenstände, um über die komplexe Dynamik zwischen Mensch, Natur und Technologie nachzudenken und betrachten wie diese sich im 21. Jahrhundert auf politische Entscheidungen auswirken.

Patrick Bérubés Arbeit beschäftigt sich mit wiederkehrenden menschlichen Mustern, die historisch gewachsene Machtkonflikte geschaffen haben. Bérubés Referenzen sind vielfältig – von Heraklits Isis entschleiert bis zur Goldenen Mede, Science-Fiction und der Wunderkammer. Gemeinsam demonstrieren diese Beispiele eine lange Tradition der menschlichen Abhängigkeiten von Technologie, in welcher sie ihre Souveränität gegenüber der Natur behaupten.

Im Gegensatz dazu untersucht Laurent Lamarche, wie Maschinen sich von der Natur inspirieren lassen. Seine Werke entspringen einer ausgeprägten Science-Fiction Ästhetik, in der Maschinen, Insekten und Tieren ähneln und deren direkte Eigenschaften kopieren. Es scheint, als ob Natur sich selbst in eine Maschine verwandelt hat, und es ergibt sich der Anschein, dass sie ein und dasselbe sein könnten.

In Karine Payettes Arbeit führt der Wunsch, die Natur zu kontrollieren, zu einer bestimmten Art von Mutation. Ihre Werkszenarien sind amüsant und befremdlich zugleich und versetzen die Unwissenheit über diese komplexen Beziehung ins öffentliche Bewußtsein: die Natur als Unterhaltung auf der einen Seite und eine möglicherweise bedrohliche Einheit auf der anderen.

Mithilfe eines 3D-Drucks verwandelt Marie-Eve Levasseur Fingerabdrücke auf der Oberfläche ihres iPhone-Bildschirms in eine digitale Landschaft. Die Arbeit Frictional Landscapes between You and Me erinnert an die Ästhetik geologischer Modelle. Eine Methode, die sie verwendet um die menschliche Beziehungen, die durch Technologien vermittelt werden zu veranschaulichen. Sie repräsentieren buchstäblich einen physischen Raum, der durch unsere Interaktion mit digitalen Geräten entsteht.

Während Hybridität oft Unbehagen hervorruft, argumentiert diese Ausstellung, dass es dennoch unerlässlich ist, eine Verschiebung der prometheischen Dispositionen, die ausschließlich dem menschlichen Interesse dienen, zu garantieren und stattdessen eine Vernetzung aller Dinge ob lebend oder statisch zu gewährleisten.