La promesse thérapeutique et le potentiel de proximité

26. April – 02. Juni 2018
Marie-Eve Levasseur: La promesse thérapeutique et le potentiel de proximité
Vernissage: Donnerstag, 26. April 2018 von 19.00 bis 22.00 Uhr
Art Mûr Berlin

Text von Terence Sharpe
Übersetzt von Julia Theobalt

In Ihrer Werkserie The Therapeutic Promise and the Potential of Proximity legt Marie-Eve Levasseur den Grundstein für eine epistemologische Diskussion über Prothetik, Identität und Kompression. Anhand von Druckmedien, Video und Installation untersucht Levasseur, was genau der Techno-Kapitalismus für unseren Körper bedeutet. Unser Fleisch wird Teil von einem Topologien hinterfragendem Netzwerk, welches als Element digitaler Hauttransplantation verstanden werden kann und das prothetische Selbst zwischen Einbettung und Verstrickung zu diktieren versucht. Die Haut hingegen wird zum Datenspeicher, welche eine nützliche Symbiose schafft und dabei genetische Verstärkung und neuronale Rückkopplung zulässt: eine stark veränderliche lebende Struktur. Durch den Einsatz von Hebeln, Flaschenzügen, Masse und Kommunikationsmitteln sind die Werke vergleichbar mit Maschinen. Sie hinterfragen die Reflexivität und Kontrolle unserer eigenen Übertragungsnetze – kommt das Feedback von uns oder etwas anderem? Den Fetischismus für kritische Theorien für einen Moment außer Acht gelassen, lässt die Rechtsstaatlichkeit – die Kontrollmanifestation im sozialen Netzwerk – die Entstehung sehr klarer Steuerungstaktiken dessen erkennen, was Gilles Châtelet „Tertiärstaat“ nennt. Levasseur ist sich zweifellos bewusst über solche regulierenden Technologien von Staat, Medien und Kapital. Sie beleuchtet kritisch was passiert, sobald wir diese zutiefst veränderlichen Strukturen verinnerlichen, woher diese Einwirkungen stammen und wohin die Verantwortlichkeiten fallen? In ihrer Serie Entanglements wird eine 3D-Modellierung zu einem 2D-Medium gerendert, in dem schwarze Ziffern aus unheimlichen Materialien entstehen, die sowohl einem Krater eines fremden Planeten, als auch der Oberfläche von digital gerenderter Haut ähneln. Eine Verbindung aus körperlichem und binären wird dem Betrachter präsentiert, wobei sich im Kynetik-Kontext sowohl Andersheit als auch Vertrautheit gegenseitig beeinflussen.

Selbst ein Text wie dieser, ist vergleichbar mit Hacking – eine Entzweiung von Mensch und Maschine, die sich in Form von Pixel oder Druck neu manifestiert. Seine Entstehung wird durch ein biologisches, technologisches, wirtschaftliches und politisches Netzwerk ermöglicht. Das Konzept der Biopolitik als etwas, das uns unfreiwillig in die Hände fällt, ist hoffnungslos, da es einen lebensfähigen Mangel an Alternativen voraussetzt. Was die Tatsache, dass die meisten von uns dazu bereit wären, nicht ändert. Es fällt schwer, gegen die allgemeine Meinung zu argumentieren, dass wir in einem Zeitalter der Kolonisierung von Körper und Zeit durch die Kybernetik leben. Weltweit spielt die Datenverarbeitung eine grundlegende Rolle bei der Verschmelzung von Auge, Hand und Objekt, denn Biologie ist ein Netzwerkphänomen. In between bodies and clouds (my desired incomputable algorithm and the predictable operator) – begegnen wir der Verpflanzung von Information in Form von Python-Poesie in zwei getrennten Algorithmen. Getrennt von einer weiten, blauen Himmelsfläche wird ein Gefühl für das Unendliche vermittelt. Innerhalb dieser Installation erforscht die Künstlerin, was die sich ständige erweiternde und wiederholende Technologie für die Übersetzung von Informationen über den Menschen, beziehungsweise die Maschinendialektik erkennen lässt. Während das zwanzigste Jahrhundert sich damit beschäftigt hat die Fragen nach der Kunst zu beantworten, scheinen sich die ersten zwei Jahrzehnte des 21. Jahrhundert auf Souveränität konzentiert zu haben – liegt es am Algorithmus oder am Inhalt? Was bedeutet die Prothese für Herkunft und Identitätspolitik?