That the Problem is Not a Problem For Me is A Part of the Problem

26. April – 02. Juni 2018
Jinny Yu: That the Problem is Not a Problem For Me is A Part of the Problem
Art Mûr Berlin

Text von Anaïs Castro
Übersetzt von Julia Theobalt

Jinny Yus künstlerische Entwicklung folgt dem Weg einer sehr persönlichen Erkundung. Geboren in Südkorea und aufgewachsen in Kanada, setzt Yu den Akt der Malerei als Mittel ein, ihre Position in der Welt zu verstehen. Ihre Recherche begann damit, zu untersuchen, was es bedeutet zwischen den zwei Welten von Ost und West zu stehen – unfähig einen Ort als ‚Zuhause‘ zu bezeichnen. Aus dieser Erkundung heraus sind Werkgruppen wie Me(n)tal Perspectives (2004-2005) und Story of a Global Nomad (2007-2008) entstanden. Yu hat in zahlreichen Städten auf der ganzen Welt gelebt und sich unter anderem vorübergehend in New York, Seoul, Montreal, Berlin und Venedig niedergelassen. Dabei wurden ihr die vielen Facetten von Ost und West deutlich, was ausschlaggebend dafür war, dass sich die Malerei der Künstlerin über die Bildoberfläche hinaus entwickelt hat. Ihre Arbeit hat sich allmählich vom zwei-dimensionalen gelöst und sich zunehmend mit den Komplexitäten der Dreidimensionalität beschäftigt.

Im Laufe des letzten Jahrzehnts hat sich ihre Arbeit aktiv mit räumlichen Konzepten, wie dem physischen Raum und verschiedenen Darstellungsebenen, beschäftigt. Mit reflektierenden Oberflächen, die sie verbiegt, zerknüllt und malt, lässt sie die wechselnden Bedingungen des Ausstellungsraums im Mittelpunkt stehen. Aber in den Werke geht es weiterhin um Sie selbst: in dem Yu die reflektierenden Materialien manipuliert, sieht Sie ihr eigenes Spiegelbild, doch beschließt dieses Abbild offen und ungeklärt zu lassen. Ein Zeichen für die Zerbrechlichkeit unserer Existenz wird auch durch ihre Arbeit Black Matter und die prekäre Kopplung gesprühter koreanischer Tinte auf Aluminium deutlich. Die Werke About Painting (2010) und Non-Painting Painting (2012) sind Selbstpoträts, nicht trotz, sondern weil sie eine existenzielle Untersuchung räumlicher Dynamik und unserem Einfluss auf unsere unmittelbare Umgebung und vice versa sind.

Der Begriff von Heimat ist schon immer ein abstraktes Konzept für die Künstlerin gewesen – ohne eine festgelegte Geografie. Vielmehr hat es in einer Reihe von Gesten Bedeutung gefunden. Malerei ist dabei Instrument dieser Forschung. In den letzen drei Jahren hat sich Jinny Yus Blick auf ihren eigenen Nomadismus gewandelt. Dazu ist 2015 eine bedeutende Arbeit mit dem Titel Don’t They Ever Stop Migrating? (2015) entstanden, welche Sie zur Erkenntnis führte, dass das Phänomen des “fremdfühlens” eine positive Einstellung bedeutet, vor allem in einer Zeit von Nationalismus und anschwellender Migrationsfeindlichkeit. Das Gefühl fremd zu sein, ist nun vielmehr eine Chance die Andersartigkeit auszuleben, Mitgefühl zu entwickeln und dabei eine breite Palette von Perspektiven zu ermöglichen um in dem eigenen Universum zu koexistieren. Da Migrationsfragen in den kommenden Jahren voraussichtlich an Bedeutung zunehmen werden, reagiert ihre Anschauung nicht nur auf aktuelle und zukünftige Kontexte, sondern verweist auch auf ihre kritische Dringlichkeit.