Migration

15. Oktober – 12. November 2016
Jannick Deslauriers : Migration
Art Mûr Leipzig
Spinnereistraße 7, Halle 4b
Leipzig (DE)

Fragiler Alltag
Auszug aus einem Text von Sarah Alberti

Ein zerstörtes Haus, Container, Überreste von Skulpturen – Jannick Deslauriers installiert eine irritierende Umgebung im Erdgeschoss der Galerie. Es sind mehrdeutig konnotierte Objekte, die die Künstlerin zusammenbringt und deutlich als Reflexion der derzeitigen politischen Lage zu lesen sind. Wie die Fragmente von Statuen, Abbilder solcher Artefakte, die zum Ziel der Zerstörung durch ISIS wurden. Die gewebten Skulpturen, dreidimensionale Zeichnungen, wirken zum Teil erschreckend echt. Die handwerkliche Qualität lenkt beinahe ab von der Härte des Verhandelten. Transluzente Spitze und Organza sehnen sich danach, der Schwerkraft zu erliegen. Im Kontext des Ausstellungstitels Migration, der Bewegung von Menschen einzeln und in Gruppen, verstärkt sich die Wirkung von trostloser Leere und Fragilität eines zerstörten, siebengeschossigen Hauses, das an so manches Abrisshaus erinnert. Oder jene der fast makaber erscheinenden Frachtcontainer. Eigentlich Basis einer globalisierten Wirtschaft, evozieren sie nun Bilder von Flucht vor Krieg und Leid, von Risiko und Wegen ins Unbekannte. Bewegliche Frachtmodule, die zum temporären Zuhause Geflüchteter werden.

Die Arbeit von Jannick Deslauriers – sie ist eine Ode an die Fragilität als Alltagsphänomen unseres Lebens. In Zeiten allumgebender Krisen sind wir und unsere Wahrnehmung ständig bedroht. Jannick Deslauriers verleiht dieser Fragilität Körperlichkeit.

Jannick Deslauriers wurde 1983 in Joliette geboren. Sie lebt und arbeitet in Montreal und unterrichtet Bildende Kunst an dem College Cégep Marie-Victorin. Nach Abschluss des Kunststudiums an der Concordia University im Jahr 2008 stellt sie ihre Werke in verschiedenen Künstlerzentren und Galerien in Quebec und Toronto sowie 2011 im Musée d’art von Joliette aus.  2014 nimmt sie an der internationalen Biennale der zeitgenössischen Skulptur in Trois-Rivières teil. Sie wird auch eingeladen, ihr Projekt Fracture im Rahmen von Miniartextile zu präsentieren, eine internationale Wanderausstellung, die 2015 und 2016 in mehreren Städten Europas gastierte.  Ihrer Arbeit wurden im Ausland auch verschiedene Veröffentlichungen gewidmet, wie Installation Art Now (Sandu Publishing) im Jahr 2014 und High Touch : Tactile Design and Visual Exlorations (Gestalten) im Jahr 2012. im Laufe der letzten Jahre wurden ihr von den Art Councils mehrere Stipendien verliehen. Sie wird gegenwärtig von der Galerie ArtMûr in Montreal vertreten.